Einführung Kreuzigungen

 

Die Auseinandersetzung mit diesem Thema begann schon in meiner Jugendzeit,

in  der ich als Katholik mehr oder weniger schöne Erfahrungen mit der Institution Kirche,

bezw. mit deren Vertretern gemacht habe.

Wirklich negativ jedoch war weniger die Erfahrung physicher Gewalt und die brachiale

Durchsetzung ihrer Autorität als Vertreter der Kirche,

sondern das krasse Missverhältnis von Anspruch und Wirklichkeit in der Lehre der Kirche.

Wenn z.B. Vertreter der Kirche jungen Knaben die Gebote der Kirche und Inhalte der Bibel

mittels körperlicher Züchtigung, mit Schlaf-und Essensentzug und Brechung der Persönlichkeit 

vermitteln, stellt sich den Betroffenen naturgemäß die Frage von Wahrheit und Lüge.

Die Erfahrungen aus der Jugendzeit  erklären sicher eine gewisse

Distanz zur Institution Kirche nicht aber zu Fragen nach Glaube und Gott.

Fragen und Auseinandersetzungen zur Lehre der Kirche,

 die in der Jungend mit Gewalt und Prügel erstickt wurden aber dennoch

offen und unbeantwortet geblieben sind,beschäftigen mich noch heute.

Es gibt viele Wege in der Auseinandersetzung mit der Religion, in der Suche nach Erklärungen,

der Suche nach der Wahrheit, der Suche eines Weges den Begriff des Glaubens

von den Zweifeln des Geistes zu befreien: wem es die Möglichkeiten eröffnet, dem bieten

sich - neben dem anspruchstvollsten Weg,der Philosophie, das Studium und Lektüre von literarischen

und theologischen Werken sowie Gespräche mit kompetenten Partnern - mehrere Möglichkeiten sich

der Thematik zu nähern. Wem dieser Zugang fehlt,  ist gezwungen nach anderen Wegen zu suchen.

Für mich war und ist der Weg die persönliche Auseinandersetzung mit Mitteln einer

künstlerischen Aufarbeitung. Zentrum der Auseinandersetzung in den Darstellungen ist das Kreuz als

tragendes Symbol des Christentums und die mit dem Kreuzigungsakt implizite Metamorphose.

Der Tod am Kreuze, der Moment der Gottwerdung impliziert zugleich den Moment der

Menschwerdung und vergegenwärtigt das Verhältnis von Gott und Mensch.

Obgleich die Kreuzigung als Absolutum stets im Mittelpunkt der Darstellung steht,

versuche ich im Aufbau und Inhalt der Bilder den Kontext einige in der Bibel formulierten Aussagen,

insbesondere Aussagen zur „Dreifaltigkeit“, und dem „Heiligen Geist“  kritisch zu reflektieren.

Kritisch reflektieren bedeutet nicht religiöse Inhalte zu verunglimpfen oder gar Gott zu lästern,

sondern ist vielmehr Ausdruck des Bedürfnisses kritische Fragen zu stellen, Inhalte verstehen zu wollen.

Die Darstellungen sind nicht nur Ausdruck meiner eigenen Suche,  sind auch Ergebnis meiner Erfahrungen#

und Beobachtungen in meiner Umwelt im Umgang mit Wertigkeit von Gott und Religion.

Zu Fragen, die Kirche und Glauben betreffen gerät man als Einzelner leicht zwischen "Mühlsteine" und findet

keine erschöpfenden Erklärungen, im Besonderen in der Koexistenz zweier Testamente, den Heiligen Schriften

des Judentums und der Heiligen Schrift des Neuen Testamentes, an denen die Kirche weiterhin festhält. Zwei

Testamente, zwei Kirchen, zum einen die Westkirche, zum anderen die Ostkirche, die sich in endlosen

Diskrepanzen um trinitarische Dogmen, Filioque-Streit, das Papstprimat und das Schisma heftig bekämpfen. Die 

Frage nach Gott selbst tritt da völlig zurück, die Kirchen streiten um Wertigkeit von Gott-Vater und Gott-Sohn 

und Heiligem Geist, sie Streiten scheinbar um eine Rangfolge innerhalb der Trinität. Als Gläubiger steht man

hilflos zwischen den Fronten. Unbeantwortet bleib die Frage: ist der Gott des Alten Testamentes der gleiche Gott,

wie der Gott des Neuen Testamentes, wie erklärt sich die Zäsur zwischen  einem "Gott der Rache" und einem "Gott

der Nächstenliebe"; hat sich Gott gewndelt, oder nur unsere Vorstellung.

 

Siegfried Knittel

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